WAS

Das Stück

Historisch erwiesen ist, dass im Jahr 476 der damals 16-jährige Kaiser Romulus abgesetzt wurde und mit einer reichlichen Pension versehen in der Mottenkiste der Geschichte verschwand.

Er trug den stolzen Namen des Gründers von Rom, das Volk gab ihm aber den wenig schmeichelhaften Zusatz «Augustulus», Kaiserchen, und brachte damit zum Aus­druck, dass der jugendliche Kaiser schwach war und sich keineswegs als Retter des römischen Reiches er­weisen konnte.

Dürrenmatt geht mit diesem Stoff sehr frei um. Bei ihm ist Romulus ein alter, vom Regieren desillusionierter Kaiser. Das römische Reich hat sich in den tausend Jahren seines Bestehens mit so viel Blut be­sudelt, dass der alte Kaiser beschliesst, es zu liquidieren. Das Motiv des Richters, der sein Urteil fällt, ohne auf Recht und Volk Rücksicht zu nehmen, ist eine typische Dürrenmatt­Idee, der wir bereits im «Richter und sein Henker» begegneten.

Die Handlung spielt während der letzten 24 Stunden des Bestehens des römischen Reiches. Es herrscht Untergangsstimmung, die Meldun­gen, die hereinkommen, werden immer bedrohlicher. Während letzte Helden für das Vaterland sterben wol­len, stehlen Kriegsgewinnler, was sie sich unter den Na­gel reissen können, andere fürchten um ihre Haut und rennen weg. Der Kaiser hingegen züchtet seelenruhig seine Hühner und wundert sich nicht, dass die Hühner mit römischen Namen nicht mehr legen, die mit ger­manischen Namen dagegen mehrere Eier pro Tag. Und so stehen sich im letzten Bild der Kaiser von Rom und der gotische Eroberer Odoaker gegenüber. Ihre Reden sind voll zynischer Weisheit, und obschon eine gewisse Resignation, was die Politik betrifft, mitschwingt, darf immer wieder herzhaft gelacht werden, denn so vieles, was gesagt wird, gilt auch heute noch.

Die Idee

Dürrenmatt schuf seine Komödie «Romulus der Grosse» im Winter 1948/49 auf der Festi oberhalb von Ligerz in kurzer Zeit. Die Idee hatte er, wie er schrieb, auf dem Weg von seinem Wohnhaus zum Nachbarn, bei dem er für seine junge Familie jeden Abend Milch holte.

Was bringt Schluchttheater? Die Handlung

Bereits im April 1949 wurde das Stück am Theater Basel uraufgeführt. Nach mehreren Versuchen zu Theater­stücken, die entweder mit mässigem Erfolg aufgeführt oder vom Autor selbst vernichtet wurden, darf «Romulus der Grosse» als die erste richtige Dürrenmatt-­Komödie bezeichnet werden.

Das Stück spielt in Campanien vor der Villa des letzten Kaisers von Westrom, Romulus Augustulus. Das Rebhaus der Familie Teutsch auf der Festi in ein römisches Landhaus zu verändern, wird nicht allzu schwer fallen – ein paar Säulenfragmente, ein paar römische Möbelstücke, die damalige Mode mit römischer Toga und germanischer Hose, und natür­lich die Hühner von Romulus’ Hühnerzucht, und fertig ist das Setting. Die wunderbare Landschaft haben wir wiederum kostenlos zur Verfügung. Schon kann der Germane Odoaker mit seinen Kriegern anmarschieren, den letzten Kaiser von Rom in Pension schicken und so das tausendjährige Reich der Römer liquidieren.

Der Autor

Am 5. Januar 1921 wurde der Autor Friedrich Dürrenmatt in Konolfingen geboren. Nach einer eher einsamen Jugendzeit, als Sohn des Dorfpfarrers fand er den Anschluss an die Dorfjugend nie so recht, begann er in Bern ein Philosophiestudium. Seine grosse Leiden­schaft gehörte dem Zeichnen und der Malerei. Im Haus der Eltern im Berner Obstbergquartier, die Familie war inzwischen nach Bern gezogen, malte er seine Man­sarde farbenprächtig mit apokalyptischen Szenen aus. Während des Studiums kam er intuitiv zum Entschluss, Schriftsteller zu werden. Erste Geschichten entstanden, bald Hörspiele und Theaterfragmente. Nach seiner Heirat mit der Schauspielerin Lotti Geissler in der Kirche Ligerz bezogen die beiden in Schernelz oberhalb des Bielersees eine kleine Wohnung, wo Dürrenmatts schriftstellerische Karriere in Schwung kam. Hörspiele brachten etwas Geld ein, der Krimi «Der Richter und sein Henker» wurde zu einem Erfolg. Nach ersten Bühnenversuchen schrieb Dürrenmatt im Jahr 1948 sein erstes Erfolgsstück: «Romulus der Grosse». Bereits 1949 wurde es in Basel aufgeführt.

Dass wir in Schernelz, am Ort der Entstehung, aus­gerechnet diese Komödie zur Aufführung bringen, ist somit kein Zufall! Bald fand die junge Familie in Neu­châtel in der Eremitage ein Haus, das Friedrich Dürren­matt zu seiner weiteren Lebens-­ und Schaffensstätte werden sollte. Heute ist in dessen Räumlichkeiten das Centre Dürrenmatt untergebracht. Friedrich Dürren­matt schrieb, zeichnete und malte weiter, sein ganzes Leben lang. Ein umfangreiches Werk entstand, das weit über die Landesgrenzen hinaus Wirkung erzielte. Werke wie «Der Besuch der alten Dame» oder «Die Physiker» wurden weltweit aufgeführt. Mit spitzer Feder griff er unermüdlich Politiker und Mächtige an, die mit ihrer Borniertheit und geistigen Unfähigkeit die Welt ins Absurde steuern können. Auch die Schweizer Politik bekam manches ab. Seiner Devise folgend «Ich bin ein Protestant, deshalb protestiere ich», griff er jede Ungereimtheit an, die ihm auffiel. Mehr als ein Bundesrat wusste nach einer Dürrenmatt­-Rede keinen Rat und schnappte vorerst einmal nach Luft. Für sein Lebenswerk wurde er mit zahlreichen Preisen und Titeln geehrt. Als Dürrenmatt 1990 in Neuchâtel starb, hinter­liess er ein gigantisches Werk, das die Forschung noch lange beschäftigen wird. Friedrich Dürrenmatt war und ist einer der ganz grossen Schweizer Dichter, Denker und Kommentatoren.

Autor: Friedrich Dürrenmatt

Es ist uns eine Ehre, den «Romulus» in Ligerz auf der Festi am Ort seiner Entstehung aufzuführen. Unsere Produktion zum hundertjährigen Geburtstag von Fried­rich Dürrenmatt erfolgt in Kooperation mit dem Centre Dürrenmatt in Neuchâtel.

Die Künstlerische Leitung

Jürg Markus Fankhauser
Lehrer, Autor und Theaterpädagoge

Wichtigste aktuelle Produktionen:

  • 2016 „Dürrenmatt am Tatort – der Richter und sein Henker“ auf der Festi / Ligerz
  • 2017 „Schneider – Ochsenbein – ein Streitgespräch“. Auftrag des Kantons
  • 2019 Rousseau im Spiegel von Molière. Schloss Waldegg. Georg Rootering. Mit Regula Grauwiller, Stefan Gubser, Dimitri Stapfer, Jürg Fankhauser
  • 2019 „Spuk im Lokdepot“ in Burgdorf.
  • 2019 „Alpenglühen“ in Grindelwald.
  • 2020 „Uswandere“ im Schlosspark Nidau.
  • 2021 „Romulus der Grosse“ auf der Festi / Ligerz am Bielersee

Die Regie

Georg Rootering( www.rootering.com )

Er machte sich als Opernregisseur international unter vielen anderen mit Inszenierungen wie „Wozzeck“ und „Pelléas et Mélisande“ in Athen und „L’ Orfeo“ bei der Styriarte in Graz, „Rigoletto“ und „Aida“ in Helsinki, „Parsival“ und „Rosenkavalier“ in Wroclav, sowie „Giulio Cesare“ in Tallinn einen Namen. Als Intendant des Theaters in Liechtenstein inszenierte er einen Euripides-Zyklus, der für überregionales Aufsehen sorgte. Seine Antiken-Projekte für Museen wurden unter anderem in München, Berlin, Hamburg, Wien, Freiburg i. Br. und in Innsbruck gezeigt. In unserer Gegend hat er am Theater TOBS mehrmals inszeniert, ebenso an der Sommeroper Waldegg / Solothurn. Als junger Mitarbeiter des Opernhauses Zürich begegnete er Dürrenmatt persönlich. An der Hochschule für Künste in der Goethestadt Weimar ist er als Dozent für Schauspiel tätig.

Das Team

  • Präsident   Urs Schmid, Bauingenieur, Twann
  • Vizepräsident   Michael Teutsch, Winzer, Festiguet Ligerz
  • Künstlerische Leitung   Jürg Markus Fankhauser, Kulturschaffender, Twann
  • Technik   Thomas Batschelet, Lichtingenieur, Biel und Adrian Walther, Licht- und Tontechnik, Biel
  • Bühnenbau   Christian Geiser, Theaterschreiner, Studen
  • Infrastruktur + Catering   Michael Teutsch
  • Sicherheit   Michael Jungi, Kantonspolizei, Twann
  • Sponsoring   Bramwell Kaltenrieder, Professor BFH / Consultant, Twann
  • Webauftritt + Ticketing   Ueli Wolf, Multimediaautor, Schernelz Ligerz
  • Administration   Pascale Lüthi, Schernelz Ligerz
  • Finanzen   Cirillo Fontana, Hotelier, Twann

Die Darstellenden

Die grossen Sprechrollen werden alle von Profi­-Darstellern übernommen, die kleineren Rollen und die Statisterie von bewährten Laien.

Die Musik

Ein kleines Bläserensemble, bestehend aus Profi­-Musikern.